Staunen, Schrecken und Verwandlung
Workshop mit Noemi Fischer
Begleitung: Ruei-Ran Wu, Bandoneon
11.-15. August 2010
Mittwoch 20 - 22h
Donnerstag – Samstag jeweils 10 -17h
Sonntag 10 – 15h
Institut Dr. Schmida
Lehargasse 1/2
1060 Wien
www.schmida.com
Nach gezieltem Warm - Up für Atem, Stimme und Körper erforschen
wir die Bildmächtigkeit von Stimmführung, Dialogmoment, chorischen
Abläufen, Rhythmus und Spannung. Was bewirkt Betroffenheit und Verwandlung?
Die Produktionen des Ensembles Rosengewitter basieren auf Improvisation
im Sinne einer „Technik der Unmittelbarkeit“. Auch die Gesetzmäßigkeiten
der Reproduktion kristallisieren sich auf diesem Weg heraus. An den Publikumsreaktionen
konnten wir bisher deutlich sehen, dass das Moment der Verwandlung in
der Tat den gesamten Theaterraum erfasst. Der Zustand der Betroffenheit
ermöglicht Zuschauern immer wieder, eine Einheit zu erfahren, die
ihre existenzielle Vereinzelung zugleich apostrophiert und birgt. Sie
berichten uns davon, und wir sehen in ihren Gesichtern, was mit ihnen
passiert. Peter Brook spricht vom „Land des Staunens“, in
dem wir uns dann alle befinden.
Öffnen wir also gemeinsam die Schleusen des Ausdrucks, legen wir
die Stimmen frei und teilen wir den Zauber ihrer Vergrößerung,
von Rhythmisierung und Polyphonie, vom Schrecken und der Lust daran, ihm
im Schutzraum des „theatron“ zu begegnen!
Ein Blick hinter die Kulissen von Rosengewitter
Anmeldung und Information:
noemi.fischer@inode.at oder
+ 43 676 401 24 27
www.rosengewitter.at
Kosten: 360,00 EUR / 285,00 EUR nach Selbsteinschätzung
Konto: 280 406 836 01
BLZ: 20111
Verwendungszweck: WS Staunen
Bitte bequeme Trainingskleidung, Socken, Handtuch oder leichte Decke und
einen Imbiss mitbringen.
Literaturempfehlung:
Euripides: „Die Bakchen“, Reclam
Karl Heinz Bohrer: „Das Tragische. Erscheinung, Pathos, Klage“
, Hanser 2009
Noemi Fischer
Freie Regisseurin, Schauspielerin, Sprecherin, Schauspielpädagogin,
Auftritts- und Präsentationscoach.
Mit ihrem Ensemble Rosengewitter realisierte Noemi Fischer bisher höchst
erfolgreich Gedichte von Ingeborg Bachmann, Rilkes Duineser Elegien und
zuletzt das Hohelied Salomos für die Bühne. Der Elegienabend
war auch in der Needle des Grazer Kunsthauses, im Berliner Admiralspalast
und im Treibhausturm in Innsbruck zu Gast. Mit dem Hohelied kehrte Rosengewitter
ins Innsbrucker Treibhaus zurück. Ursprungsort der Produktionen:
das Gewölbe von Bar & Co im Wiener Theater Drachengasse.
Ruei-Ran Wu
Komponist, Musikdramaturg und Arrangeur, Instrumentalist (Bandoneon, Klavier),
Chorleiter, Chorsänger
Er prägt maßgeblich die Klangidentität des Ensembles Rosengewitter.
Das Wesen meiner Arbeit
Ich behandle die Sprache wie eine Tänzerin und
den Körper wie einen Text. Dabei suche ich nach Beziehung, danach,
wie eins sich im andern ausdrückt und findet, die Stimme im Körper,
die Bewegung in der Musik, der Begriff im Klang, das Anliegen in den Spannungsbögen
und so fort – das ganze Begegnungsgefüge in seiner Dichte,
Fragilität und Unmittelbarkeit.
Im Zentrum der Prozesse steht das Du – ich lehre und verlange, dass
die Schauspieler einer aus dem anderen nehmen und einander abbilden. Dass
wir mit den Ohren sehen, mit den Augen hören und mit den Händen
begegnen.
Wer in diesem Sinne zugewandt ist, dessen theatraler Ausdruck hat die
Chance, authentisch und auch in Überhöhung, Abstraktion und
Vergrößerung organisch zu sein.
Wir arbeiten also an der Fähigkeit, sich zuzuwenden, sich und dem
Anliegen, den Eingaben und Verabredungen treu zu bleiben, an Fokus und
Maß.
Dabei erschließt sich der Körper als Instrument und „Resonanzgefäß“
im Zusammenspiel von Gedanke und Physis.
Mein Ziel in der Vermittlung: Soviel direktes Abnehmen vom Körper
wie möglich, so wenig Erklärung wie nötig.
Der Aufbau des Übungssets basiert auf der Lehre von Mirka YemenDzakis
und Frieda Goralewski.
Ins Set, die weiterführenden Übungen und in die Partnerarbeit
sind Erkenntnisse aus Alexander Technik, Feldenkrais, Pilates und aus
meiner tänzerischen Erfahrung eingeflossen, vor allem aus Contact
Improvisation und Release Technique und meinem langjährigen Training
bei Charleston Marquis.
Mein Zugang zu Texten verdankt sich wesentlich der akademischen Auseinandersetzung
mit Sprache und Literatur.
Nicht zuletzt prägt v.a. die Arbeit als Regisseurin mit meinem Ensemble
Rosengewitter meinen Zugang.
Noemi Fischer, 2010
www.rosengewitter.at